Wenn du dasselbe Buch schon dreißig Abende in Folge vorgelesen hast und das Gefühl hast, jedes Wort auswendig zu kennen, dann wisse: Das ist extrem häufig, und mehr noch, es ist gut für die Entwicklung deines Kindes.
Warum Wiederholung gut fürs Gehirn ist
Kleine Kinder lernen durch Wiederholung, so entstehen Gedächtnis, Sprache und das Gefühl von Vorhersehbarkeit. Jedes erneute Vorlesen stärkt Gehirnverbindungen und lässt das Kind vorhersagen, was als Nächstes passiert, was ein Gefühl von Sicherheit und Können erzeugt. Forscherinnen und Forscher der kindlichen Entwicklung weisen darauf hin, dass diese Vorhersehbarkeit auch dabei hilft, neuen Wortschatz weitaus besser zu verankern als ein einmaliges Lesen.
Was Wiederholung emotional bedeutet
Über das Lernen hinaus wird das Lieblingsbuch oft zu einem emotionalen Anker: eine Figur, ein garantiertes Happy End, eine Stimme, die das Kind schon auswendig kennt. In Phasen des Wandels, Schulbeginn, ein neues Geschwisterchen, klammert sich ein Kind häufig noch stärker an diese Vorhersehbarkeit.
Tricks, um die Auswahl sanft zu erweitern
- Wahlmöglichkeiten statt Ersatz anbieten: «Willst du heute dieses oder jenes lesen?», wobei der Liebling immer eine Option bleibt.
- Abwechseln, ohne wegzunehmen: Zuerst das neue Buch lesen, den Liebling zum Schluss, wie ein «Dessert».
- Nach ähnlichen Themen suchen: Wenn der Liebling ein tierisches Hauptfigur hat, ein weiteres Buch mit ähnlichem Thema suchen.
- Das Kind in der Bücherei oder Buchhandlung selbst wählen lassen: Das Gefühl, selbst zu entscheiden, steigert das Interesse an etwas Neuem.
Ein natürlicher Weg zu neuen Lieblingsbüchern
Reihen mit einer sympathischen Figur bieten oft eine einfache Brücke, weil das Kind die Hauptfigur schon «kennt», selbst in einer brandneuen Geschichte. Die Abenteuer von Piguiça im Zaubergarten funktionieren zum Beispiel genau so gut: Jedes Buch bringt ein neues Abenteuer, aber denselben geliebten kleinen Husky, was den Widerstand gegen einen neuen Titel senkt.
Wann Wiederholung kein Grund zur Sorge ist
Es besteht kein Grund zur Sorge, es sei denn, das Kind lehnt monatelang jeden anderen Lesereiz vollständig ab oder es geht mit anderer ausgeprägter Starrheit im Alltag einher, dann lohnt sich ein Gespräch mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt. Ansonsten ist wiederholtes Lesen ein Zeichen, dass das Buch genau das tut, was es soll.





