Die gleiche Szene jeden Tag: Du versuchst, aus der Tür zu gehen, und dein Kind klammert sich weinend an deine Beine, als würdest du für immer verschwinden. Es ist erschöpfend, und meistens völlig normal. Trennungsangst ist eine erwartbare Entwicklungsphase, kein Zeichen dafür, dass mit dir oder deinem Kind etwas nicht stimmt.
Warum das passiert
Sie zeigt sich typischerweise zwischen 8 Monaten und 3 Jahren, mit häufigen Höhepunkten um 12 bis 18 Monate und erneut beim Start der Kita oder Schule. Dein Kind versteht inzwischen, dass du auch außer Sichtweite existierst (Objektpermanenz), hat aber noch kein echtes Zeitgefühl, «gleich» kann sich für dein Kind wie eine Ewigkeit anfühlen.
Normal versus etwas, das Aufmerksamkeit braucht
Es ist normal, dass ein Kind beim Abschied weint, sich aber innerhalb weniger Minuten beruhigt, sobald eine Betreuungsperson übernimmt. Ein Gespräch mit einer Fachperson lohnt sich, wenn das Weinen extrem ist, den ganzen Vormittag anhält, mit wiederkehrenden körperlichen Beschwerden (Bauch- oder Kopfschmerzen) ohne medizinische Ursache einhergeht oder weit über das 6. bis 7. Lebensjahr hinaus intensiv bleibt, Anzeichen, die auf eine Trennungsangststörung hindeuten können, die eine Fachperson anschauen sollte.
Eine Abschiedsroutine, die funktioniert
- Schafft ein kurzes, immer gleiches Ritual. Eine Umarmung, ein Kuss und ein fester Satz («Ich hab dich lieb, ich hol dich nach dem Vesper ab») geben Vorhersehbarkeit.
- Verschwindet niemals heimlich. Das fühlt sich im Moment leichter an, lehrt dein Kind aber, ständig wachsam zu bleiben, aus Angst, du könntest ohne Vorwarnung verschwinden.
- Haltet es kurz. Lange Verabschiedungen nähren die Angst auf beiden Seiten. Vertraut darauf, dass das Betreuungspersonal euer Kind trösten kann, sobald ihr gegangen seid.
- Macht Zeit konkret greifbar. Statt «Ich komme bald wieder» sagt lieber «Ich hol dich nach dem Nachmittagssnack ab», etwas, das sich das Kind tatsächlich vorstellen kann.
Ein Verbündeter in Büchern
Geschichten über Abschiede und Wiedersehen vor dem Verlassen des Hauses vorzulesen hilft einem Kind, das Gefühl in einem sicheren Rahmen zu üben. Wie Pigúiça sich im Zaubergarten von ihren Freunden verabschiedet, und immer wiederkommt, kann zu einem tröstlichen Ritual vor dem Losgehen werden.
Mit Beständigkeit überwinden die meisten Kinder diese Phase innerhalb weniger Wochen. Bessert sich nichts, ist eure Kinderärztin der richtige erste Ansprechpartner.




