Stell dir vor, dein Partner kommt mit einer zweiten Person nach Hause und verkündet: „Sie zieht ein, sie wird sich deine Aufmerksamkeit teilen, und du wirst sie lieben.“ So etwa fühlt sich ein dreijähriges Kind, wenn ein neues Baby ankommt. Eifersucht ist keine Bosheit und kein Erziehungsversagen, sie ist eine Reaktion auf bedrohte Liebe. Regression (Babysprache, nach der Flasche fragen, ins Bett machen), Aggression und grundloses Weinen sind alles Wege zu fragen: „Existiere ich noch?“
Was im Alltag hilft
- Exklusive Zeit schützen: Fünfzehn Minuten am Tag ohne Handy und ohne Baby sind besser als ein ganzer geteilter Nachmittag. Gib ihr einen Namen: „unsere besondere Zeit“.
- Das ganze Gefühl erlauben: „Du darfst das Baby heute nicht mögen. Das macht dich nicht zu einem schlechten Bruder.“ Eifersucht zu verbieten treibt sie nur in den Untergrund.
- Nicht befördern: „Du bist jetzt der Große“ klingt nach verlorenen Privilegien. Sie sind noch klein und dürfen klein bleiben.
- Dem Baby keine Schuld geben: Statt „Ich kann nicht, ich bin beim Baby“ lieber „Ich mach das hier fertig und bin dann in fünf Minuten ganz für dich da“.
- Macht anbieten, keine Pflichten: „Willst du heute sein Outfit aussuchen?“ funktioniert weit besser, als Hilfe zu verlangen.
Sätze für die angespannten Momente
- Wenn sie das Baby schubst: „Ich lasse niemanden verletzen. Du warst wirklich wütend. Erzähl mir, was passiert ist.“
- Wenn Regression auftritt: „Willst du für einen Moment mein Baby sein? Komm her, lass mich dich wiegen.“ Der Bitte nachzukommen beendet die Phase meist schneller.
- Wenn sie sagen, sie hassen dich: „Du bist gerade richtig wütend auf mich. Und ich liebe dich trotzdem genauso.“
- Wenn Besucher nur das Baby loben: Wende dich dem älteren Kind zu und sag: „Das ist sein großer Bruder, der fünfzigteilige Puzzles kann.“
- Wenn Leute vergleichen: Unterbrich es freundlich: „Sie sind verschieden, und ich mag beide genau so, wie sie sind.“
